Die Sonntagsevangelien

Karfreitag – Evangelium Joh 18,1-19,42

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Johannes.

E = Evangelist, † Worte Jesu, S = Worte sonstiger Personen

Die Verhaftung Jesu

E Jesus ging mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron.
Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein.
Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort,
weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war.
Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohepriester und der Pharisäer,
und kam dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen.

Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr?
E Sie antworteten ihm:
S Jesus von Nazaret.
E Er sagte zu ihnen:
† Ich bin es.
E Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen.
Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zurück und stürzten zu Boden.
Er fragte sie noch einmal:
† Wen sucht ihr?
E Sie sagten:
S Jesus von Nazaret.
E Jesus antwortete:
† Ich habe euch gesagt, dass ich es bin.
Wenn ihr also mich sucht, dann lasst diese gehen!
E So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte:
Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.
Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es,
traf damit den Diener des Hohepriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener hieß Malchus.
Da sagte Jesus zu Petrus:
† Steck das Schwert in die Scheide!
Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat – soll ich ihn nicht trinken?

Jesus vor Hannas

E Die Soldaten, der Hauptmann und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest,
fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas;
er war nämlich der Schwiegervater des Kájaphas,
der in jenem Jahr Hohepriester war.
Kájaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte:
S Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt.
E Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus.
Dieser Jünger war mit dem Hohepriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des Hohepriesters.
E Petrus aber blieb draußen am Tor stehen.
Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohepriesters, heraus;
er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein.
Da sagte die Pförtnerin zu Petrus:
S Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen?
E Er sagte:
S Ich bin es nicht.
E Die Knechte und die Diener hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet
und standen dabei, um sich zu wärmen; denn es war kalt.
Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich.

Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre.
Jesus antwortete ihm:
† Ich habe offen vor aller Welt gesprochen.
Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen.
Nichts habe ich im Geheimen gesprochen.
Warum fragst du mich?
Frag doch die, die gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe;
siehe, sie wissen, was ich geredet habe.
E Als er dies sagte, schlug einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte:
S Antwortest du so dem Hohepriester?
E Jesus entgegnete ihm:
† Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach;
wenn es aber recht war, warum schlägst du mich?
E Da schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohepriester Kájaphas.

Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sagten sie zu ihm:
S Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?
E Er leugnete und sagte:
S Ich bin es nicht.
E Einer von den Knechten des Hohepriesters, ein Verwandter dessen,
dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte:
S Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen?
E Wieder leugnete Petrus, und gleich darauf krähte ein Hahn.

Jesus vor Pilatus

E Von Kájaphas brachten sie Jesus zum Prätórium; es war früh am Morgen.
Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu können.
Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte:
S Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen?
E Sie antworteten ihm:
S Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert.
E Pilatus sagte zu ihnen:
S Nehmt ihr ihn doch, und richtet ihn nach eurem Gesetz!
E Die Juden antworteten ihm:
S Uns ist es nicht gestattet, jemand hinzurichten.
E So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben werde.

Da ging Pilatus wieder in das Prätórium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn:
S Bist du der König der Juden?
E Jesus antwortete:
† Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?
E Pilatus entgegnete:
S Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohepriester haben dich an mich ausgeliefert.
Was hast du getan?
E Jesus antwortete:
† Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.
Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.
Nun aber ist mein Königtum nicht von hier.
E Da sagte Pilatus zu ihm:
S Also bist du doch ein König?
E Jesus antwortete:
† Du sagst es, ich bin ein König.
Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.
Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.
E Pilatus sagte zu ihm:
S Was ist Wahrheit?

E Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen:
S Ich finde keine Schuld an ihm.
Ihr seid aber gewohnt, dass ich euch zum Paschafest einen freilasse.
Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse?
E Da schrien sie wieder:
S Nicht diesen, sondern Bárabbas!
E Bárabbas aber war ein Räuber.

Darauf nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln.

Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen;
den setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm einen purpurroten Mantel um.
Sie traten an ihn heran und sagten:
S Sei gegrüßt, König der Juden!
E Und sie schlugen ihm ins Gesicht.

Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen:
Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keine Schuld an ihm finde.
E Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel.
Pilatus sagte zu ihnen:
S Seht, der Mensch!
E Als die Hohepriester und die Diener ihn sahen, schrien sie:
S Kreuzige ihn, kreuzige ihn!

E Pilatus sagte zu ihnen:
S Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm.
E Die Juden entgegneten ihm:
S Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat.

E Als Pilatus das hörte, fürchtete er sich noch mehr.
Er ging wieder in das Prätórium hinein und fragte Jesus:
S Woher bist du?
E Jesus aber gab ihm keine Antwort.
Da sagte Pilatus zu ihm:
S Du sprichst nicht mit mir?
Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?
E Jesus antwortete ihm:
† Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre;
darum hat auch der eine größere Sünde, der mich dir ausgeliefert hat.
E Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien:
S Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers;
jeder, der sich zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf.

E Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen,
und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithóstrotos, auf Hebräisch Gábbata, heißt.
Es war Rüsttag des Paschafestes, ungefähr die sechste Stunde.
Pilatus sagte zu den Juden:
S Seht, euer König!
E Sie aber schrien:
S Hinweg, hinweg, kreuzige ihn!
E Pilatus sagte zu ihnen:
S Euren König soll ich kreuzigen?
E Die Hohepriester antworteten:
S Wir haben keinen König außer dem Kaiser.

E Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.

Kreuzigung, Tod und Begräbnis Jesu

E Sie übernahmen Jesus.
Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Gólgota heißt.
Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus.

Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen und oben am Kreuz befestigen;
die Inschrift lautete:
Jesus von Nazaret, der König der Juden.

Diese Tafel lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag.
Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.
Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus:
S Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.
E Pilatus antwortete:
S Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.

E Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten,
nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus,
für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand,
Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben.
Da sagten sie zueinander:
S Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll.
E So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich
und warfen das Los um mein Gewand.
Dies taten die Soldaten.

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Mágdala.

Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter:
† Frau, siehe, dein Sohn!
E Dann sagte er zu dem Jünger:
† Siehe, deine Mutter!
E Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

(Hier stehen alle auf.)

Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte:
† Mich dürstet.
E Ein Gefäß voll Essig stand da.
Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund.
Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er:
† Es ist vollbracht!
E Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

Hier knien alle zu einer kurzen Gebetsstille nieder.

E Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten
– dieser Sabbat war nämlich ein großer Feiertag –, baten die Juden Pilatus,
man möge ihnen die Beine zerschlagen und sie dann abnehmen.
Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine,
dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war.
Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht,
sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.
Und der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr.

Und er weiß, dass er Wahres sagt, damit auch ihr glaubt.
Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte:
Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.
Und ein anderes Schriftwort sagt:
Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.

Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen.
Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es.
Also kam er und nahm den Leichnam ab.

Es kam auch Nikodémus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte.
Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloë, etwa hundert Pfund.
Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden,
zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.

An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten,
und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war.
Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

Palmsonntag – Evangelium Mt 26,14-27,66

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Matthäus.

E = Evangelist, † Worte Jesu, S = Worte sonstiger Personen

Die Vereinbarung des Judas mit den Hohepriestern

E Einer der Zwölf namens Judas Iskáriot ging zu den Hohepriestern und sagte:
S Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere?
E Und sie boten ihm dreißig Silberstücke.

Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.

Die Vorbereitung des Paschamahles

E Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten:
S Wo sollen wir das Paschamahl((Sprich: Pas-chamahl.)) für dich vorbereiten?
E Er antwortete:
† Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen:
Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern.
E Die Jünger taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.

Das Mahl

E Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch.
Und während sie aßen, sprach er:
† Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern.
E Da wurden sie sehr traurig und einer nach dem andern fragte ihn:
S Bin ich es etwa, Herr?
E Er antwortete:
† Der die Hand mit mir in die Schüssel eintunkt, wird mich ausliefern.
Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt.
Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird!
Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
E Da fragte Judas, der ihn auslieferte:
S Bin ich es etwa, Rabbi?
E Jesus antwortete:
† Du sagst es.

E Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis;
dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte:
† Nehmt und esst; das ist mein Leib.
E Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sagte:
† Trinkt alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr von dieser Frucht des Weinstocks trinken,
bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von Neuem davon trinke im Reich meines Vaters.

Die Ankündigung der Verleugnung

30E Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.
31Da sagte Jesus zu ihnen:
† Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen; denn in der Schrift steht:
Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen.
Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.
E Petrus erwiderte ihm:
S Und wenn alle an dir Anstoß nehmen – ich werde niemals an dir Anstoß nehmen!
E Jesus sagte zu ihm:
† Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
E Da sagte Petrus zu ihm:
S Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen.
E Das Gleiche sagten auch alle Jünger.

Das Gebet in Getsemani

E Darauf kam Jesus mit ihnen zu einem Grundstück, das man Getsémani nennt, und sagte zu den Jüngern:
† Setzt euch hier, während ich dorthin gehe und bete!
E Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich.
Da ergriff ihn Traurigkeit und Angst und er sagte zu ihnen:
† Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir!
E Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf sein Gesicht und betete:
† Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber.
Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.
E Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend.
Da sagte er zu Petrus:
† Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen?
Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
E Wieder ging er weg, zum zweiten Mal, und betete:
† Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann,
ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille.
E Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen.
Und er ließ sie, ging wieder weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten.
Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen:
† Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus?
Siehe, die Stunde ist gekommen und der Menschensohn wird in die Hände von Sündern ausgeliefert.
Steht auf, wir wollen gehen!
Siehe, der mich ausliefert, ist da.

Die Gefangennahme Jesu

E Noch während er redete, siehe, da kam Judas, einer der Zwölf,
mit einer großen Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren;
sie waren von den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes geschickt worden.
Der ihn auslieferte, hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt:
S Der, den ich küssen werde, der ist es; nehmt ihn fest!
E Sogleich ging er auf Jesus zu und sagte:
S Sei gegrüßt, Rabbi!
E Und er küsste ihn.
Jesus erwiderte ihm:
† Freund, dazu bist du gekommen?
E Da gingen sie auf Jesus zu, ergriffen ihn und nahmen ihn fest.
Und siehe, einer von den Begleitern Jesu streckte die Hand aus, zog sein Schwert,
schlug auf den Diener des Hohepriesters ein und hieb ihm ein Ohr ab.
Da sagte Jesus zu ihm:
† Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.
Oder glaubst du nicht, mein Vater würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken, wenn ich ihn darum bitte?
Wie würden dann aber die Schriften erfüllt, dass es so geschehen muss?
E In jener Stunde sagte Jesus zu den Männern:
† Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen, um mich festzunehmen.
Tag für Tag saß ich im Tempel und lehrte und ihr habt mich nicht verhaftet.
E Das alles aber ist geschehen, damit die Schriften der Propheten in Erfüllung gehen.
Da verließen ihn alle Jünger und flohen.

Das Bekenntnis Jesu vor dem Hohen Rat

E Nach der Verhaftung führte man Jesus zum Hohepriester Kájaphas,
bei dem sich die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt hatten.
Petrus folgte Jesus von Weitem bis zum Hof des Hohepriesters;
er ging in den Hof hinein und setzte sich zu den Dienern, um zu sehen, wie alles ausgehen würde.
Die Hohepriester und der ganze Hohe Rat bemühten sich um falsche Zeugenaussagen gegen Jesus, um ihn zum Tod verurteilen zu können.
Sie fanden aber nichts, obwohl viele falsche Zeugen auftraten.
Zuletzt kamen zwei Männer und behaupteten:
S Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen.
E Da stand der Hohepriester auf und fragte Jesus:
S Willst du nichts sagen zu dem, was diese Leute gegen dich vorbringen?
E Jesus aber schwieg.
Darauf sagte der Hohepriester zu ihm:
S Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Christus, der Sohn Gottes?
E Jesus antwortete:
† Du hast es gesagt.
Doch ich erkläre euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen
und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.
E Da zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief:
S Er hat Gott gelästert! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Jetzt habt ihr die Gotteslästerung gehört. Was ist eure Meinung?
E Sie antworteten:
S Er ist des Todes schuldig.
E Dann spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn. Andere ohrfeigten ihn und riefen:
S Messias, du bist doch ein Prophet, sag uns: Wer hat dich geschlagen?

Die Verleugnung durch Petrus

E Petrus aber saß draußen im Hof. Da trat eine Magd zu ihm und sagte:
S Auch du warst mit diesem Jesus aus Galiläa zusammen.
E Doch er leugnete es vor allen und sagte:
S Ich weiß nicht, wovon du redest.
E Und als er zum Tor hinausgehen wollte, sah ihn eine andere Magd und sagte zu denen, die dort standen:
S Der war mit Jesus dem Nazoräer zusammen.
E Wieder leugnete er und schwor:
S Ich kenne den Menschen nicht.
E Wenig später kamen die Leute, die dort standen, und sagten zu Petrus:
S Wirklich, auch du gehörst zu ihnen, deine Mundart verrät dich.
E Da fing er an zu fluchen und zu schwören:
S Ich kenne den Menschen nicht.
E Gleich darauf krähte ein Hahn und Petrus erinnerte sich an das Wort, das Jesus gesagt hatte:
Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Die Übergabe an Pilatus

E Als es Morgen wurde, fassten die Hohepriester und die Ältesten des Volkes gemeinsam den Beschluss, Jesus hinrichten zu lassen.
Sie ließen ihn fesseln und abführen und lieferten ihn dem Statthalter Pilatus aus.

Das Ende des Judas

E Als nun Judas, der ihn ausgeliefert hatte, sah, dass Jesus verurteilt war, reute ihn seine Tat.
Er brachte den Hohepriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück und sagte:
S Ich habe gesündigt, ich habe unschuldiges Blut ausgeliefert.
E Sie antworteten:
S Was geht das uns an? Das ist deine Sache.
E Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und erhängte sich.
Die Hohepriester nahmen die Silberstücke und sagten:
S Man darf das Geld nicht in den Tempelschatz tun; denn es klebt Blut daran.
E Und sie beschlossen, von dem Geld den Töpferacker zu kaufen als Begräbnisplatz für die Fremden.
Deshalb heißt dieser Acker bis heute Blutacker.
So erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremía gesagt worden ist:
Sie nahmen die dreißig Silberstücke – das ist der Preis, den er den Israeliten wert war –
und kauften für das Geld den Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hatte.

Das Verhör vor Pilatus

E Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser:
S Bist du der König der Juden?
E Jesus antwortete:
† Du sagst es.
E Als aber die Hohepriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort.
Da sagte Pilatus zu ihm:
S Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen?
E Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, sodass der Statthalter sehr verwundert war.
Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen, den das Volk verlangte.
Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Bárabbas im Gefängnis.
Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war:
S Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Bárabbas oder Jesus, den man den Christus nennt?
E Er wusste nämlich, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte.
Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen:
S Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten! Ich habe heute seinetwegen im Traum viel gelitten.
E Inzwischen überredeten die Hohepriester und die Ältesten die Menge, die Freilassung des Bárabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu lassen.
Der Statthalter fragte sie:
S Wen von beiden soll ich freilassen?
E Sie riefen:
S Bárabbas!
E Pilatus sagte zu ihnen:
S Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Christus nennt?
E Da antworteten sie alle:
S Ans Kreuz mit ihm!
E Er erwiderte:
S Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?
E Sie aber schrien noch lauter:
S Ans Kreuz mit ihm!
E Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen,
wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte:
S Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache!
E Da rief das ganze Volk:
S Sein Blut – über uns und unsere Kinder!
E Darauf ließ er Bárabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und lieferte ihn aus zur Kreuzigung.

Die Verspottung Jesu durch die römischen Soldaten

E Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätórium und versammelten die ganze Kohórte um ihn.
Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um.
Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf das Haupt und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand.
Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen:
S Sei gegrüßt, König der Juden!
E Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen damit auf seinen Kopf.
Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

Kreuzweg und Kreuzigung

E Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen.
Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Kyréne namens Simon; ihn zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.
So kamen sie an den Ort, der Gólgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe.
Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken.
Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider, indem sie das Los über sie warfen.
Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn dort.
Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab:
Das ist Jesus, der König der Juden.
Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt, der eine rechts von ihm, der andere links.
Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen:
S Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen?
Wenn du Gottes Sohn bist, rette dich selbst und steig herab vom Kreuz!
E Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten und sagten:
S Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist doch der König von Israel!
Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben.
Er hat auf Gott vertraut, der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn.
E Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber, die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden.

(Hier stehen alle auf.)

Der Tod Jesu

E Von der sechsten Stunde an war Finsternis über dem ganzen Land bis zur neunten Stunde.
Um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme:
† Eli, Eli, lema sabachtáni?,
E das heißt:
† Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
E Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten:
S Er ruft nach Elíja.
E Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab Jesus zu trinken.
Die anderen aber sagten:
S Lass, wir wollen sehen, ob Elíja kommt und ihm hilft.
E Jesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme.
Dann hauchte er den Geist aus.

(Hier knien alle zu einer kurzen Gebetsstille nieder.)

E Und siehe, der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich.
Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt.
Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.
Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten
und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten:
S Wahrhaftig, Gottes Sohn war dieser!
E Auch viele Frauen waren dort und sahen von Weitem zu;
sie waren Jesus von Galiläa aus nachgefolgt und hatten ihm gedient.
Zu ihnen gehörten Maria aus Mágdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

Das Begräbnis Jesu

E Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef; auch er war ein Jünger Jesu.
Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu überlassen.
Josef nahm den Leichnam und hüllte ihn in ein reines Leinentuch.
Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen.
Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg.
Auch Maria aus Mágdala und die andere Maria waren dort; sie saßen dem Grab gegenüber.

Die Bewachung des Grabes

E Am nächsten Tag gingen die Hohepriester und die Pharisäer gemeinsam zu Pilatus; es war der Tag nach dem Rüsttag.
Sie sagten:
S Herr, es fiel uns ein, dass dieser Betrüger, als er noch lebte, behauptet hat: Ich werde nach drei Tagen auferstehen.
Gib also den Befehl, dass das Grab bis zum dritten Tag bewacht wird!
Sonst könnten seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen:
Er ist von den Toten auferstanden. Und dieser letzte Betrug wäre noch schlimmer als alles zuvor.
E Pilatus antwortete ihnen:
S Ihr sollt eine Wache haben. Geht und sichert das Grab, so gut ihr könnt!
E Darauf gingen sie, um das Grab zu sichern. Sie versiegelten den Eingang und ließen die Wache dort.

Fünfter Fastensonntag – Evangelium Joh 11, 1–45

Evangelium nach Johannes

In jener Zeit

war ein Mann krank, Lázarus aus Betánien,
dem Dorf der Maria und ihrer Schwester Marta.

Maria war jene, die den Herrn mit Öl gesalbt
und seine Füße mit ihren Haaren abgetrocknet hatte;
deren Bruder Lázarus war krank.

Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht:
Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank.

Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod,
sondern dient der Verherrlichung Gottes.
Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.

Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lázarus.

Als er hörte, dass Lázarus krank war,
blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.

Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.

Die Jünger sagten zu ihm:
Rabbi, eben noch suchten dich die Juden zu steinigen und du gehst wieder dorthin?

Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden?
Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht;

wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist.

So sprach er.
Dann sagte er zu ihnen: Lázarus, unser Freund, schläft;
aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken.

Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden.

Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen,
während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf.

Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lázarus ist gestorben.

Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt.
Doch wir wollen zu ihm gehen.

Da sagte Thomas, genannt Dídymus – Zwilling –, zu den anderen Jüngern:
Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben!

Als Jesus ankam, fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen.

Betánien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.

Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen,
um sie wegen ihres Bruders zu trösten.

Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen,
Maria aber blieb im Haus sitzen.

Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen,
dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

Marta sagte zu ihm:
Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.

Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,

und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.
Glaubst du das?

Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist,
der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria
und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen.

Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm.

Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen;
er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte.

Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten,
sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging.
Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen.

Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah,
fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm:
Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren,
war er im Innersten erregt und erschüttert.

Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet?
Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh!

Da weinte Jesus.

Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!

Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat,
hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?

Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab.
Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

Jesus sagte: Nehmt den Stein weg!
Marta, die Schwester des Verstorbenen,
sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.

Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt:
Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?

Da nahmen sie den Stein weg.
Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.

Ich wusste, dass du mich immer erhörst;
aber wegen der Menge, die um mich herumsteht,
habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.

Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lázarus, komm heraus!

Da kam der Verstorbene heraus;
seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt
und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt.
Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!

Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren
und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

Vierter Fastensonntag – Evangelium Joh 9,1-41

Evangelium nach Johannes

In jener Zeit

sah Jesus unterwegs einen Mann,
der seit seiner Geburt blind war.

Da fragten ihn seine Jünger:
Rabbi, wer hat gesündigt?

Er selbst
oder seine Eltern,
sodass er blind geboren wurde?

Jesus antwortete:
Weder er noch seine Eltern haben gesündigt,
sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.

Wir müssen, solange es Tag ist,
die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat;
es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann.

Solange ich in der Welt bin,
bin ich das Licht der Welt.

Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig,
strich ihn dem Blinden auf die Augen

und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schilóach!
Das heißt übersetzt: der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich.
Und als er zurückkam,
konnte er sehen.

Die Nachbarn
und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten,
sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?

Einige sagten: Er ist es.
Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte:
Ich bin es.

Da fragten sie ihn:
Wie sind deine Augen geöffnet worden?

Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig,
bestrich damit meine Augen
und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich!
Ich ging hin,
wusch mich und konnte sehen.

Sie fragten ihn: Wo ist er?
Er sagte: Ich weiß es nicht.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war,
zu den Pharisäern.

Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht
und ihm die Augen geöffnet hatte.

Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Er antwortete ihnen:
Er legte mir einen Teig auf die Augen
und ich wusch mich
und jetzt sehe ich.

Einige der Pharisäer sagten:
Dieser Mensch ist nicht von Gott,
weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten:
Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.

Da fragten sie den Blinden noch einmal:
Was sagst du selbst über ihn?

Er hat doch deine Augen geöffnet.
Der Mann sagte:
Er ist ein Prophet.

Die Juden aber wollten nicht glauben,
dass er blind gewesen und sehend geworden war.
Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten

und fragten sie: Ist das euer Sohn,
von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde?
Wie kommt es, dass er jetzt sieht?

Seine Eltern antworteten:
Wir wissen, dass er unser Sohn ist
und dass er blind geboren wurde.

Wie es kommt, dass er jetzt sieht,
das wissen wir nicht.
Und wer seine Augen geöffnet hat,
das wissen wir auch nicht.
Fragt doch ihn selbst,
er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen!

Das sagten seine Eltern,
weil sie sich vor den Juden fürchteten;
denn die Juden hatten schon beschlossen,
jeden, der ihn als den Christus bekenne,
aus der Synagoge auszustoßen.

Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug,
fragt ihn selbst!

Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war,
zum zweiten Mal
und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre!
Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.

Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht.
Nur das eine weiß ich,
dass ich blind war und jetzt sehe.

Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht?
Wie hat er deine Augen geöffnet?

Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt,
aber ihr habt nicht gehört.
Warum wollt ihr es noch einmal hören?
Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden?

Da beschimpften sie ihn:
Du bist ein Jünger dieses Menschen;
wir aber sind Jünger des Mose.

Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat;
aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.

Der Mensch antwortete ihnen:
Darin liegt ja das Erstaunliche,
dass ihr nicht wisst, woher er kommt;
dabei hat er doch meine Augen geöffnet.

Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört;
wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut,
den erhört er.

Noch nie hat man gehört,
dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.

Wenn dieser nicht von Gott wäre,
dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.

Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren
und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten,
und als er ihn traf,
sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?

Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr,
damit ich an ihn glaube?

Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen;
er, der mit dir redet, ist es.

Er aber sagte: Ich glaube, Herr!
Und er warf sich vor ihm nieder.

Da sprach Jesus:
Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen:
damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden.

Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies.
Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?

Jesus sagte zu ihnen:
Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde.
Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen.
Darum bleibt eure Sünde.

Dritter Fastensonntag – Evangelium Joh 4,5-42

Evangelium nach Johannes

In jener Zeit

kam Jesus zu einer Stadt in Samárien, die Sychar hieß
und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.

Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
und setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.

Da kam eine Frau aus Samárien, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!

Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.

Die Samaríterin sagte zu ihm:
Wie kannst du als Jude
mich, eine Samaríterin, um etwas zu trinken bitten?
Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samarítern.

Jesus antwortete ihr:
Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten
und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß
und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?

Bist du etwa größer als unser Vater Jakob,
der uns den Brunnen gegeben
und selbst daraus getrunken hat,
wie seine Söhne und seine Herden?

Jesus antwortete ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;

wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird niemals mehr Durst haben;
vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
in ihm zu einer Quelle werden,
deren Wasser ins ewige Leben fließt.

Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser,
damit ich keinen Durst mehr habe
und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen!

Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann
und komm wieder her!

Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann.
Jesus sagte zu ihr:
Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.

Denn fünf Männer hast du gehabt
und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.
Damit hast du die Wahrheit gesagt.

Die Frau sagte zu ihm:
Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.

Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet;
ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.

Jesus sprach zu ihr:
Glaube mir, Frau, die Stunde kommt,
zu der ihr weder auf diesem Berg
noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.

Ihr betet an, was ihr nicht kennt,
wir beten an, was wir kennen;
denn das Heil kommt von den Juden.

Aber die Stunde kommt und sie ist schon da,
zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit;
denn so will der Vater angebetet werden.

Gott ist Geist
und alle, die ihn anbeten,
müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Die Frau sagte zu ihm:
Ich weiß, dass der Messias kommt,
der Christus heißt.
Wenn er kommt,
wird er uns alles verkünden.

Da sagte Jesus zu ihr:
Ich bin es, der mit dir spricht.

Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen.
Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach,
doch keiner sagte: Was suchst du?
oder: Was redest du mit ihr?

Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen,
kehrte zurück in die Stadt
und sagte zu den Leuten:

Kommt her, seht, da ist ein Mensch,
der mir alles gesagt hat, was ich getan habe:
Ist er vielleicht der Christus?

Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm.

Währenddessen baten ihn seine Jünger: Rabbi, iss!

Er aber sagte zu ihnen:
Ich habe eine Speise zu essen,
die ihr nicht kennt.

Da sagten die Jünger zueinander:
Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?

Jesus sprach zu ihnen:
Meine Speise ist es,
den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat,
und sein Werk zu vollenden.

Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte?
Sieh, ich sage euch: Erhebt eure Augen
und seht, dass die Felder schon weiß sind zur Ernte!

Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn
und sammelt Frucht für das ewige Leben,
sodass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.

Denn hier hat das Sprichwort recht:
Einer sät und ein anderer erntet.

Ich habe euch gesandt
zu ernten, wofür ihr euch nicht abgemüht habt;
andere haben sich abgemüht
und euch ist ihre Mühe zugutegekommen.

Aus jener Stadt kamen viele Samaríter zum Glauben an Jesus
auf das Wort der Frau hin,
die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.

Als die Samaríter zu ihm kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben;
und er blieb dort zwei Tage.

Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn
aufgrund seiner eigenen Worte.

Und zu der Frau sagten sie:
Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir,
denn wir haben selbst gehört
und wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt.

Zweiter Fastensonntag – Evangelium Mt 17,1-9

Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit

nahm Jesus Petrus, Jakobus
und dessen Bruder Johannes beiseite
und führte sie auf einen hohen Berg.

Und er wurde vor ihnen verwandelt;
sein Gesicht leuchtete wie die Sonne
und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elíja
und redeten mit Jesus.

Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus:
Herr, es ist gut, dass wir hier sind.
Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen,
eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja.

Noch während er redete,
siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie
und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke:

Dieser ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Wohlgefallen gefunden habe;
auf ihn sollt ihr hören.

Als die Jünger das hörten,
warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden
und fürchteten sich sehr.

Da trat Jesus zu ihnen,
fasste sie an
und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht!

Und als sie aufblickten,
sahen sie niemanden außer Jesus allein.

Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus:
Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt,
bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!

Erster Fastensonntag – Evangelium Mt 4,1-11

Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit

wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt;
dort sollte er vom Teufel versucht werden.

Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte,
hungerte ihn.

Da trat der Versucher an ihn heran
und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist,
so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.

Er aber antwortete:
In der Schrift heißt es:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt,
stellte ihn oben auf den Tempel

und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist,
so stürz dich hinab;
denn es heißt in der Schrift:

Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen,

und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen,
damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

Jesus antwortete ihm:
In der Schrift heißt es auch:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

Wieder nahm ihn der Teufel mit sich
und führte ihn auf einen sehr hohen Berg;
er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht

und sagte zu ihm:
Das alles will ich dir geben,
wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.

Da sagte Jesus zu ihm:
Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht:
Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten
und ihm allein dienen.

Darauf ließ der Teufel von ihm ab
und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

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