Priesterrat begleitet Prozess „Kirche der Zukunft“ intensiv

Rottenburg, Juli 2026 – Der Priesterrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich bei seiner Sommersitzung am 7. und 8. Juli gemeinsam mit Bischof Dr. Klaus Krämer intensiv mit den nächsten Schritten im Prozess „Kirche der Zukunft“ befasst. Im Mittelpunkt standen die Bildung neuer Kirchengemeinden, die Ausbildung pastoraler Berufsgruppen, die Gesundheitsvorsorge für Priester sowie Trauungen an alternativen Orten. Das Gremium brachte dabei seine Erfahrungen aus der Praxis ein und benannte Fragen, die im weiteren Reformprozess zu klären sind.

Aktuelle Entwicklungen und Bildung neuer Kirchengemeinden

Stefanie Oeben, Prozessleitung „Kirche der Zukunft“, informierte über den aktuellen Stand des Reformprozesses und stellte die Zeitschiene bis zum 1. Januar 2030 vor. Auf diesen Stichtag arbeiten alle Programme und Projekte hin, zu diesem Zeitpunkt sollen die neuen Kirchengemeinden ihre Arbeit aufnehmen. Zudem erläuterte sie die Beteiligung der Gremien sowie die Rolle des Steuerungskreises im Verfahren.

Barbara Strifler, Projektleitung des Projekts Umschreibung neue Kirchengemeinden im Programm SinS (Seelsorge in neuen Strukturen), stellte den aktuellen Stand des Beteiligungsverfahrens vor. Die Rückmeldungen aus den Dekanaten zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der Kirchengemeinden ihr Votum abgeben wird. Für Gemeinden, in denen kein Votum zustande kommt, sind weitere Gespräche und Unterstützungsangebote vorgesehen.

Der Priesterrat brachte dazu Erfahrungen und Rückmeldungen aus den Kirchengemeinden ein. Diskutiert wurden insbesondere die Herausforderungen in Gemeinden, in denen unterschiedliche Positionen bestehen oder ein Votum ausbleibt. Das Gremium sprach sich für einen transparenten und nachvollziehbaren Umgang mit diesen Fällen aus. Die abschließende Entscheidung über die Bildung der neuen Kirchengemeinden trifft der Bischof auf Grundlage des gesamten Beteiligungsverfahrens.

Leitung der neuen Kirchengemeinden

Jochen Werner, Referent in der Hauptabteilung V – Pastorales Personal, stellte die Ergebnisse des Werkstatt-Tags der leitenden Pfarrer, Administratoren und Pfarrbeauftragten vor. Dabei wurde deutlich, künftige Leitungsmodelle sollen pastorale und geistliche Aufgaben stärken, während Verwaltungsaufgaben verstärkt von Verwaltungsbeauftragten übernommen werden.

Der Priesterrat begrüßte diese Ausrichtung und regte einen transparenten Prozess zur Interessensbekundung sowie klare Kriterien für die Auswahl und Qualifizierung künftiger Leitungspersonen an. Auch die Frage, wie viele Priester künftig Leitungsverantwortung übernehmen möchten, wurde als wichtiger Aspekt für die weitere Planung benannt.

Ausbildung pastoraler Berufsgruppen

Dr. Uwe Scharfenecker, Leiter der Hauptabteilung I – Ausbildung Pastorale Berufe, und Martin Fahrner, Direktor des Wilhelmsstifts Tübingen, informierten über die aktuelle Entwicklung der Studierendenzahlen sowie über die Zusammenarbeit in der Ausbildung der verschiedenen pastoralen Berufsgruppen.

Der Priesterrat betonte, dass die Veränderungen der pastoralen Strukturen künftig noch stärker in Ausbildung und Berufseinführung berücksichtigt werden sollten. Zugleich sprach sich das Gremium für eine intensivere gemeinsame Ausbildung der verschiedenen pastoralen Berufsgruppen aus, um Zusammenarbeit und Teamarbeit von Beginn an zu fördern und die Seelsorge als gemeinsamen Auftrag zu stärken.

Trauungen an alternativen Orten

Dr. Christiane Bundschuh-Schramm, Referentin für Kirchenentwicklung und Grundsatzfragen in der Hauptabteilung IV, und Tobias Albers, Leiter des Fachbereichs Liturgie in der Hauptabteilung VIIIa – Liturgie (mit Kunst und Kirchenmusik), stellten einen ersten Entwurf möglicher Regelungen für katholische Trauungen an alternativen Orten vor.

Der Priesterrat diskutierte intensiv die pastoralen Chancen und die kirchenrechtlichen Fragestellungen. Das Gremium machte deutlich, dass eine größere örtliche Flexibilität nicht zu einer Verwässerung des Ehesakraments führen dürfe. Der kirchliche Trauungsritus müsse in seiner Form gewahrt bleiben und die Kirche weiterhin der bevorzugte Ort für die Feier des Ehesakraments sein. Gleichzeitig sprach sich der Priesterrat dafür aus, die Beratungen mit dem Ziel einer ausgewogenen Regelung fortzuführen, um sowohl der Bedeutung des Ehesakraments gerecht zu werden als auch die Bedürfnisse der Brautpaare zu berücksichtigen.

Gesundheitsvorsorge für Priester im Blick

Der Priesterrat hat sich auch intensiv über die gesundheitliche Situation der Priester und die Bedeutung einer guten Gesundheitsvorsorge ausgetauscht. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Priester dabei unterstützt werden können, ihren Dienst langfristig gesund, mit Freude und Engagement wahrzunehmen. Dabei wurden bestehende Angebote zur Prävention, Begleitung und Erholung ebenso in den Blick genommen wie die Weiterentwicklung bedarfsgerechter Unterstützungsangebote. Dem Gremium war es besonders wichtig zu betonen, dass Priester, denen es nicht gut geht, frühzeitig Unterstützung in Anspruch nehmen können und sollen. Die Angebote sollen dazu ermutigen, Hilfe ohne Hemmungen anzunehmen.

Zum Abschluss der Sitzung bekräftigte der Priesterrat seinen Willen, den Prozess „Kirche der Zukunft“ weiterhin konstruktiv zu begleiten und seine Erfahrungen aus der pastoralen Praxis einzubringen. Bischof Dr. Klaus Krämer dankte den Mitgliedern für den intensiven Austausch und betonte, dass die Beratungen des Priesterrats einen wichtigen Beitrag für das Gelingen des Reformprozesses leisten.